Reinigung einer Stimmgabeluhr                                                              home

Erstlingswerk

Die Überschrift soll es verdeutlichen, das dies keine Anleitung zur Reinigung sein soll, sondern der Bericht eines Nichtuhrmachers der hier seine erste Uhr vollständig zerlegt, gereinigt und erfolgreich wieder zusammengesetzt hat.

Bevor man sich an solch ein Vorhaben herantraut, sollte folgendes an Material vorhanden sein:

- Die Original-Serviceanleitung des entsprechenden Kalibers, möglichst in Landessprache.
- Ein Accutron-Test-Set mit dem entsprechenden Werkhalter.
- Ein Stereomikroskop
- Digitalkamera
- Ultraschall-Reinigungsgerät und Reinbenzin
- Uhrmacher - Schraubenzieher, Pinzetten, Zeigerabzieher, Schmiermittel, Reinigungsmasse
- Schließlich das Objekt selber die Uhr, möglichst nicht das beste Stück.....

Man selbst sollte eine ruhige Hand mitbringen. Erfahrung im Umgang mit kleinen Dingen z.B. im Modellbau- oder im Elektronikbereich sind hilfreich.

Eigentlich wollte ich nur sehen wie weit ich mit diesem doch recht waghalsigem Unternehmen kommen würde. Es ist nämlich mit Abstand das kleinste und empfindlichste Vorhaben an das ich mich herangetraut habe.


Reparaturfoto 1

Die beiden wichtigsten Dinge, die mir zuerst einfallen, ist das Stereomikroskop und die Anleitung zu dem jeweiligen Kaliber.

Ich habe das ganze fast komplett unter dem Mikroskop erledigt. Die Uhr mit der Lupe dicht über dem Tisch zu zerlegen und zusammenzubauen, das hätte ich nicht geschafft. Das Stereomikroskop ermöglicht es einem in bequemer Sitzhaltung und mit beiden Augen hat man eine bessere räumliche Orientierung.  Dazu muß das Mikroskop aber verschiedene Vergrößerungsstufen besitzen, idealerweise von zehn-bis hundertfacher Vergrößerung.

In meiner (kleinen) Sammlung war eine Accuquartz , die zwar lief, aber doch immer wieder stehenblieb. Diese Uhr hatte ich mir also als Erstlingskandidat ausgesucht, schon allein deshalb, weil ich wissen wollte, weshalb sie stehenblieb.  Beim zerlegen sah ich dann warum, es war nämlich ein Zapfen eines Zahnrades abgebrochen. Da man kaum noch Ersatzteile für Stimmgabeluhren bekommt, mußte bei mir eine andere defekte Stimmgabeluhr herhalten, bei der die Elektronik nicht mehr funktionierte. Obwohl der Ersatzteilspender ein 218 Kaliber war, hatte ich Glück, denn das gesuchte Zahnrad hatte die gleiche Größe und Zähneanzahl wie das von der Accuquartz.

Jetzt konnte ich also weitermachen und das Uhrwerk vollständig zerlegen. Dazu habe ich die wichtigsten Schritte fotografiert, damit der spätere  Zusammenbau klappt.  Wohl hatte ich die Original- Anleitung, aber es war die vom Kaliber 218.  Da der mechanische Aufbau ähnlich wie der Accuquartz ist, kam ich hiermit gut zurecht. Man sollte alles genau durchlesen und die Zeichnungen genau studieren und das verstanden haben was in der Anleitung steht. Bis auf andere Schmiermittel, die mir der Uhrmacher empfohlen hat, habe ich mich an die Anleitung gehalten. 





Zerlegen

Reparaturfoto 2

Da dies keine Anleitung werden soll, werde ich nur die wichtigsten Schritte erläutern die ich als Problempunkte empfunden habe.
Das ist  wohl zuallererst das  wegspringen von Federn oder Schrauben auf der Zifferblattseite die man mit der Pinzette nicht richtig angefasst hat. Da hilft nur innere Ruhe und ein hoffentliches wiederfinden der Teile. Eigentlich hat aber das Zerlegen und Zusammenbauen der Uhr richtig Spaß gemacht. Daran hat  meiner Meinung nach das Stereomikroskop einen großen Anteil. Ist die Stimmgabel an der Reihe, sollte man diese separat legen, sonst magnetisiert man Schrauben und andere Teile.
Die neu gekauften Uhrmacher-Schraubenzieher die ich hatte, mußte ich fast alle nachschleifen, da die Klingen für die feinen Schrauben zu dick waren.

Das empfindliche Klinkenrad habe ich nur an der Welle angefasst und es separat in einem kleinen Reagenzglas aufbewahrt.

Reinigen

Ultraschall-Reinigungsgerät

Die Rubine der Klinken habe ich so gut es geht unter dem Stereomikroskop mit einem in Reinbenzin getränkten Holzspan gereinigt. Das Material der Klinken verbiegt sich leicht. Ein eventuellen Ausrichten der Klinkendrähte ist wirklich heikel und man braucht da wohl eine wirklich ruhige Hand und Erfahrung an einer sowieso verbogenen "Übungsklinke"

Das Reagenzglas mit dem Klinkenrad bekam etwas Reinbenzin (N-Octan) und dann tauchte ich dieses in die Ultraschallreinigungsanlage, die ich mit warmem Wasser gefüllt hatte. Da das Klinkenrad nur etwa ein Milligramm wiegt, tanzte es wild im dem Benzin umher, aber es blieb heil. Besser ist es wohl  das Klinkenrad zwischen Werkhalteplatte und Brücke einzusetzen um es dann zusammen zu reinigen.  Bis auf die Stimmgabel, die Elektronik, das Ziffernblatt, die Zeiger und die Klinken habe ich alles andere mit der Ultraschallanlage in Benzin gereinigt.

Links im Bild ist so eine Ultraschallreinigungsanlage zu sehen, die auch für andere Reinigungsarbeiten gute Dienste leistet.

Eventuelle Fremdkörper auf den Magneten der Stimmgabel habe ich mit Reinigungsmasse entfernt. Das ist so eine Art Kaugummi, bei dem  aller Staub und Schmutz haften bleibt.

Ölen und Fetten

Uhrenöl

Hier habe ich nur zwei Schmiermittel verwendet, Öl für die Steinlager und Fett für die betreffenden Räder auf der Ziffernblattseite. Diese beiden Schmiermittel habe ich vom Uhrmacher in mitgebrachte winzige Glasröhrchen abgefüllt bekommen, da ein Kauf von einer Flasche für den Hobbybedarf wenig Sinn macht.  Die Steine dürfen nicht  "schwimmen" weniger Öl ist hier mehr. Die links im Röhrchen abgebildete Menge an Öl dürfte für einige Uhrwerke ausreichen.

Bei Fragen ist der sogenannte "Uhrmacher seines Vertrauens" eine große Hilfe. Optimal ist es, wenn der Uhrmacher von damals diese Uhren kannte, wie ich das Glück hatte. Es gibt Dinge die in der Originalanleitung nicht stehen, da diese ja für Uhrmacher geschrieben ist, z.B. der Umgang mit dem Zeigerabheber oder dem Ölgeber. Ansonsten habe ich aber keinerlei Hilfe angefordert, schließlich wollte ich das ganze ja allein schaffen.

Zusammenbau

Reparaturfoto 3

Als der Einbau der Zahnräder und die Montage der Brücke an die Reihe kam, dachte ich jetzt wird,s schwierig. War aber garnicht so schlimm. Erst alle Zahnräder auf der Werkhalteplatte einstecken, dann mit der Pinzette vorsichtig die Brücke an einer freien Seite anfassen und lose auflegen.   Dann die Achsen der Zahnräder mit einem entsprechend gebogenem feinen Draht zurechtrücken. Das habe ich aber nicht unter dem Stereomikroskop gemacht, weil einem da der Gesamtüberblick fehlt. Erst wenn alle Achsen in den Steinlöchern sitzen und die Brücke einwandfrei aufliegt darf man die Schrauben fest anziehen. Allerdings darf dabei das Klinkenrad auf keinen Fall außerhalb der Achse berührt werden, dann würde es sich verbiegen oder die Zähne werden beschädigt!

 
Heutzutage gibt es sogenannte Polierpasten für Kunststoff-Handy Displays und ähnliches. Die habe ich benutzt um das Kunststoff-Uhrglas wieder auf Vordermann zu bringen. Mit 600er  Schleifpapier habe ich die großen Kratzer rausgeschliffen und dann  mit der Paste das Glas praktisch wie neu poliert. Das geht recht schnell und ohne große Mühe.

Einstellung vom Klinkensystem

modifiziertes Accutron Test Set

Jetzt kommt das Accutron Test-Set zum Einsatz, welches eine reduzierte Spannung liefert, mit der die Klinken etwas über eine Zahnlänge schwingen und dann richtig eingestellt werden können. Auch dies wird in der Original-Anleitung genau beschrieben.

Das links abgebildete Test-Set habe ich etwas modifiziert. Der Anschluss der Knopfzelle ist mit einer regelbaren Spannungsquelle von 0,7 bis 1,5 Volt verbunden.  In dem nächsten Abschnitt "Modifiziertes Accutron-Test Set" wird die Einstellung des Klinkensystems genauer beschrieben. Der Grund für die regelbare Spannungsquelle liegt in dem Unterschied zwischen den damaligen 1,35 Volt Quecksilberoxidbatterien zu den heutigen Silberoxidbatterien mit 1,55 Volt.  Um überhaupt mal zu sehen, wie die Amplitude sich bei verschiedenen Spannungen und Kalibern ändert habe ich eine Messreihe gemacht. 
Auf Grund der Messreihe habe ich den Klinkenabstand der Accuquartz mit einer Spannung von  0,95 Volt  eingestellt. Unter dem Mikroskop konnte ich das nachprüfen, die Antriebsklinke schwingt dann mit etwas über einer Zahnlänge.

Bei der eigentlichen Einstellung des Klinkenabstandes mit dem Exenter der Sperrklinkenbrücke habe ich die beiden Blockierschrauben schon fast fest angezogen. Sind diese zu lose, verstellt sich der Abstand der Klinken beim Anziehen wieder.

Hat das Mikroskop z.B. durch stärkere Okulare noch Vergrößerungsreserve, so kann man im laufenden Betrieb mit der Stroboskoplampe und bei langsamer Verringerung der Spannung die Einstellung genau kontrollieren. Mit etwa 160-facher Vergrößerung kann man wirklich alles gut erkennen.

Gangkontrolle

Stimmgabel-Uhrenbeweger

Schon vorher habe ich die beiden Justierungsbleche an den Stimmgabelenden auf Mittenstellung gebracht. Ich war mächtig erstaunt als die Uhr erst nach einer Woche eine Sekunde Abweichung zeigte. Erst später wußte ich das ich mir als "Erstlingswerk" die genaueste Stimmgabelarmbanduhr die es gibt ausgesucht hatte.  Hier bestimmt nämlich der Quarz die Genauigkeit und nicht die Stimmgabel.  Daher kann diese Uhr auch nicht mit den Justierungsblechen eingestellt werden. Wie das anders gemacht wird steht unter anderem auf der Seite "Stimmgabeluhren auf der Zeitwaage"

Das links abgebildete Gerät ist ein Selbstbau der als Uhrenbeweger und als Demonstrationsgerät des Klinkenantriebes dient.  Man kann stufenlos die Drehzahl und die Amplitude einstellen und sieht die Funktion in langsamer Abfolge ganz genau. Darüber kommt aber auch noch ein Bericht.

Die Freude über die geleistete Arbeit ist riesig, der Kalender und die Zeigerstellung funktionieren einwandfrei, man kann das kaum in Worte fassen.  Geradezu überwältigend, gegenüber einer "nur" gekauften Uhr die man ja auch schon stolz am Handgelenk trägt. Man bekommt aber gleichzeitig auch einen Respekt vor dem Beruf des Uhrmachers.

Die Uhr läuft nun schon seit einem Jahr  mit gleichbleibender Genauigkeit und der selben Batterie !

 



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