Speichenrad-Selbstbau


Pyro- Bugatti Atalante im Maßstab 1:32,
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Jedes Modellauto steht und fällt mit den Rädern. Diese Binsenweisheit trifft besonders auf Oldtimermodelle mit ihren Speichenrädern zu. Zwar gibt es fotogeätzte Speichenräder zu kaufen, die sind aber erstens nicht gerade billig und oft passen sie nicht zum Modell. Besonders die Felgengröße und die Speichenanzahl stimmen oft nicht, so daß nur der Selbstbau übrigbleibt. Der ist garnicht so schwer wie es den meisten Modellbauern erscheint. Einzig und allein, das sei gleich vorweggenommen, ist eine kleine Drehbank nötig. Ebenso eine ruhige Hand zum einfädeln der Speichen, also zittrige Kettenraucher müssen solche Räder weiterhin kaufen. Die vorgestellte Methode eignet sich für eine Modellgröße von etwa 1:32 bis hin zum großen 1:8 Maßstab. Daher gebe ich auch keine Maßangaben. Die Felgen in den Beispielbildern sind für einen alten Pyro-Plastikbausatz des Bugatti Atalante im Maßstab 1:32 bestimmt gewesen.

Vorbereitungen und Materialauswahl


Lindbergh Mercedes im Maßstab 1:16,
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Der Bericht soll zeigen wie man es machen kann aber nicht muß, ich will also hauptsächlich meine Erfahrungen und Tips weitergeben, die im Laufe der Jahre entstanden sind. Die Außenmaße der Felge wird wohl in der Regel durch den vorhandenen Reifen bestimmt sein. Andere Maße wie die Speichendrahtdicke nimmt man am besten am Originalauto ab. Als Material für die Felge und Nabe bevorzuge ich Aluminiumrundstäbe, weil es sich leicht bearbeiten lässt und später chromähnlich glänzt. Falls Sie beispielsweise rostfreien Stahl bearbeiten wollen, muß aber schon eine größere Drehbank herhalten, da dieses Material viel zäher ist. Sind die Innenmaße der Felge fertig gedreht, so muß dort wo die Speichenlöcher der Felge sind, mit dem Abstechstahl eine Nut gedreht werden. Etwa bis zu einer Wandstärke von ca. 0,3 mm, also ziemlich dünn. Je nach dem wie das Vorbild aussieht, müssen entweder für jede Speichenreihe eine Nut, oder eine Nut für beide Speichenreihen gedreht werden. Hier in diesem Beispiel ist es eine Nut für die innere und äußere Speichenreihe. Mit innerer Speichenreihe meine ich die Seite der Felge an der Bremstrommel. Noch vor dem Abtrennen der Felge poliere ich diese gleich. Profi-Dreher rümpfen jetzt die Nase wegen der Unfallgefahr. Ist schon richtig, aber man kann ja anstelle seiner eigenen Finger auch einen Holzstab mit einem Lappen zum Polieren benutzen. Sehr gute Erfahrungen mache ich mit dem Autosol-Chromputzmittel, bei welchem die Räder sogar nach 15 Jahren noch wie neu glänzen

Nabe


fertige Nabe, auf Plastikscheibe,
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Zur Anfertigung der Nabe bohre ich auf der Drehbank zuerst ein Loch längseitig in den Rundstab der für die Nabe vorgesehen ist. Das dient dann als Radlagerung. Im Durchmesser nicht größer als unbedingt nötig, weil für die folgende Nut noch genügend Wandstärke übrigbleiben muß. Nachdem die Nabe dann in Form gedreht ist, bekommt sie dort wo die Speichen befestigt werden, jeweils eine dünne Nut. Dazu muß man sich für das hier gezeigte Beispiel einen Abstechstahl auf ca. 1 mm Breite zurechtschleifen. Auf dem Bild können Sie die ungefähre Tiefe der Nuten erkennen. Diese Nuten nehmen dann die Speichen, bzw. den Kleber auf.

Bohrschablone


Bohrschablone,
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Für die Löcher der Felge habe ich mir eine einfache Schablone aus Papier angefertigt, die einem den sonst nötigen Teilapparat für die Drehbank erspart. Ausgehend vom Mittelpunkt enthält sie strahlenförmige Linien. In diesem Beispiel sind das 28 Linien für eine Speichenreihe. Die Kreise auf der Schablone erleichtern einem das mittige Aufsetzen der Felge. Mit einem wasserfesten Filzstift wird dann eine Markierung für jedes Bohrloch angelegt. Wenn hier im Beispiel die 56 Löcher für die beiden Speichenreihen angezeichnet sind, so können die Löcher entweder gebohrt oder eingedrückt werden. Letzteres sieht besser aus, denn es entsteht dabei eine echt aussehende Vertiefung. Aus diesem Grund habe ich auch die Wandstärke der Felge im Bohrlochbereich auf ca. 0,3 mm verringert.

Felgenlöcher


Felge auf Holzstab und Dorn auf Stiftenklöbchen,
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Der Dorn "zum Eindrücken der Löcher ist aus einer Nähnadel auf der Drehbank angeschliffen. Man muß für die Löcher ganz schön drücken, daher ist die Nadel in ein Stiftenklöbchen oder einen Stielfeilkloben eingespannt. Damit die Felge sich dabei nicht verbiegt, steckt sie auf einem abgedrehten Holzstab. Die Felge muß lose aufliegen, denn die entstehenden Vertiefungen verkleinern den Durchmesser der Felge, so daß sie ansonsten nicht mehr herunterzuziehen wäre. Wer genau hinsieht, kann erkennen das der Dorn vorne einen Absatz hat, dieser soll ein zu weites Eindrücken in die Felge verhindern. Ein kleiner Bohrer geht naürlich auch, wobei der Grat auf der Innenseite stehenbleiben sollte. Denn gerade dies lässt die Räder echt aussehen. Hier wird also die Faulheit des Bastlers sogar noch belohnt.

Speichendraht


Nabe und Speichendraht,
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Zwischenzeitlich kann der Speichendraht vorbereitet werden. Am besten eignet sich dazu Widerstandsdraht, oder auch Drähte wie sie im Dentallabor benutzt werden. Bevor ich den Draht zerschneide, wird er erstmal vorgereckt, so daß er ganz gerade ist. Dann zerschneide ich ihn auf ca. 1 1/2 Speichenlänge. Die Drahtstückchen sollen also später an der Felge etwas überstehen. Die richtige Dicke der Speichen ist am besten am Original abzumessen, wenn das nicht geht, hilft nur der Dreisatz an einem entsprechenden Foto.

Einspeichvorgang


Einspeichen der Drähte in die hintere mit Kleber gefüllten Nut der Nabe,
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Fertige verklebte Felge,
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Nabe und Felge müssen nun zentrisch montiert werden. Eine Scheibe aus Metall, im gleichen Durchmesser wie die Felge, ist dazu gut geeignet. Metall deswegen, weil das gesamte Rad später zum Aushärten erhitzt wird. Wegen der besseren Erkennbarkeit ist die Scheibe in den Bildern aber aus weissem Kunstoff. In der Mitte durchbohrt, wird die Nabe daran festgeschraubt. Das unten überstehende Ende der Schraube wird dann in ein Stiftenklöbchen eingespannt. Die hintere Nut der Nabe wird nun mittels eines dünnen Drahtes mit einem langsamhärtenden Zweikomponentenkleber gefüllt. Uhu Plus Endfest 300 oder Pattex Stabilit Ultra mit bis zu einer Stunde Topfzeit sind dazu gut geeignet. Gleich anschließend muß dann die Felge mit wenig Sekundenkleber zentrisch zur Nahe auf die Scheibe geklebt werden. Mit einer feinen Pinzette werden dann die Speichendrähte durch die hintere Lochreihe der Felge und in die Klebenut der Nabe geschoben. Immer so, daß sich zwei Speichen dabei überkreuzen. Ist eine Speichenreihe fertig, so muß der Kleber erstmal aushärten. Damit dies nicht zu lange dauert, lege ich das Rad auf einer feuerfesten Unterlage waagerecht unter eine Schreibtischlampe. Denn bei etwa 150 Grad beträgt die Aushärtezeit nur noch wenige Minuten. An einer kleinen Probe Kleber sollte man das aber vorher ausprobieren, denn zu heiß so das der Kleber Blasen bildet, sollte es auch nicht sein. Man könnte auch den Backofen anschmeißen, aber wozu diese Energieverschwendung. Wenn die bessere Hälfte es erlaubt, kann der angerührte Kleber in der Tiefkühltruhe (eingepackt in eine Dose oä.) verschwinden, um ihn dann nach dem Aushärten des Rades für die nächste äußere Speichenreihe weiterzuverwenden. Hier wird analog zur ersten verfahren, also erst die vordere Nut der Nabe mit Klebstoff auffüllen und wieder die Speichendrähte durch die vordere Lochreihe der Felge einfädeln. Ist dann auch diese Reihe ausgehärtet, werden die überstehenden Speichendrähte bis auf etwa Felgendurchmesser abgeschnitten. Die verbliebenen Überstände der Drahtenden werden dann mit einem kleinen Schraubenzieher reihum umgeknickt und die ganze Felgennut wird zum Schluß auch mit dem Kleber gefüllt. Nach dem Aushärten wird die Verschraubung der Nahe gelöst und die Felge wird mit einem Messer von der Metallplatte abgehebelt.

Allgemeines


1:20 Ferrari 275 GTB,
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Zum Schluß noch ein paar allgemeine Anmerkungen: Es ist klar daß auch diese Methode nicht ganz originalgetreu ist, aber je nach Aufwand, dem Können und Willen! des Bastlers, entstehen beachtliche Resultate in einer recht kurzen Zeit. Gerade das Einfädeln der Drähte,geht mit ca. 15 Minuten pro Speichenreihe recht schnell. Für den Anfang empfehle ich aber einen etwas größeren Maßstab, beispielsweise für die Bburago-Modelle, die besonders dankbare Objekte abgeben. Obwohl verklebt, ist die Stabilität der Räder für Standmodelle völlig ausreichend. Es ist übrigens auch möglich den Draht in einem Stück einzufädeln. Weil dies aber länger dauert und auch umständlicher ist, rate ich eher davon ab. Soll die fertige Felge später in der Wagefarbe sein, so kann man dies nur mit einer Spritzpistole erreichen. Nur diese bietet einen entsprechend feinen Sprühstrahl (ca.eine 0,2mm Düse). Uhrmacheranwärter können sich sogar am Maßstab 1:87 versuchen. Zwei solcher Modelle habe ich in meiner Vitrine stehen und sie sind jedesmal ein besonderer Blickfang.

Bezugsquellen


Bburago 1:18 Ferrari und Wiking 1:87 Jaguar,
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Eine gute Adresse für Fein-Werkzeuge ist die Fa Fohrmann in 45731 Waltrop. Wer einen Uhrmacherhandel kennt, bekommt auch hier entsprechene Werkzeuge. Draht für die Speichen bekommt man bei Conrad Electronic in Hirschau. Er wird dort von 0.08mm bis 0,5mm im Durchmesser angeboten. Es ist sogenannter Konstantan-Widerstandsdraht. Besonders reißfeste Drähte gibt,s im Dentalhandel, sogenannter Wipla-Draht. Bei größeren Maßstäben und wenn die Speichen später mit Farbe gespritzt werden sollen, kann es auch ganz gewöhnlicher Draht von einem Kabel sein. Drehmaterial für Felge und Nabe gibts bei Conrad, Fohrmann und eventuell auch bei einer Schlosserei.

Stereobilder


Stereobild,
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Eine gute Idee ist es, wenn man das Originalauto vor sich hat, von den Speichenrädern Stereodias anzufertigen. Dazu werden zwei Aufnahmen im Augenabstand mit einer gewöhnlichen Kamera gemacht und dann später mit zwei "Gucki" Diabetrachter gleichzeitig angesehen. Mit einer Digitalcamera geht das auch, wenn man später diese zur Betrachtung rechts und links vertauscht, nebeneinander am Bildschirm plaziert. Schielt man jetzt, so das man drei Bilder sieht, so ist das mittlere Bild räumlich zu sehen. Allerdings kommt nicht jeder mit dem Betrachten von solchen Bildern zurecht. Eine kleine Hilfe sind die unter dem Bild plazierten Punkte. Man muß solange schielen, bis man nur noch einen Punkt sieht, um dann mit einem Blick nach oben das eigentliche Bild zu betrachten. All zu lange sollte man aber nicht schielen, denn das tut den (ungeübten) Augen bestimmt nicht gut. Zwei solcher Bilder sind ist in der linksseitigen Großbildseite zu sehen. Der ganze Sinn besteht also in den Stereofotos darin, das man später einen richtigen räumlichen Eindruck von der Speichenanordnung bekommt.

 


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